Sonntag, 17. April 2011

Klage der jungen zensierten Seelen

Man gibt uns eine Lilie und ein Taschenmesser
und eine Seele um zur Schule zu gehen
dazu ein Schild mit Aussicht
auf Wurzeln Äste und Blattwerk


Man gibt uns eine imaginäre Landkarte
in Gestalt einer Stadt
auch eine Uhr und einen Kalender
worin unser Alter nicht steht


Man gibt uns Schaufensterpuppen
Ehrungen um unsere Abwesenheit aufzuziehen
Man gibt uns einen Preis weil wir so sind
ohne Makel und ohne Unschuld


Man gibt uns ein Schiff und einen Hut
um eine Photografie von uns zu machen
Man gibt uns Eintrittskarten für den Himmel
aufgeführt in einem Theater


Mit den Perücken der Großeltern
frisiert man uns die kahlen Schädel
so wir niemals uns selbst
ähneln wenn wir alleine sind


Man gibt uns einen Kuchen der die Geschichte
unserer Geschichte ohne Handlung ist
und uns klingt im Gedächtnis
kein anderes Wort als Angst

Wir haben so wohlerzogene Phantasmen
dass wir an ihrer Schulter schlummern

leeres Schlafen entvölkert
von Gestalten des Erstaunens


Man gibt uns den Umschlag des Evangeliums
und ein Päckchen Zigaretten
einen Kamm gibt man uns und einen Spiegel
um einen Affen zu kämmen


Man gibt uns einen im Verstand festgerammten Nagel

und einen an der Taille befestigten Kopf
damit der Körper nicht aussehe
wie die Gestalt der Seele die ihn sucht

Man gibt uns einen eisernen Sarg
eingelegt mit Diamanten
um die Beerdigung zu organisieren
unseres Körpers gleich da vorn

Man gibt uns einen Namen und eine Zeitung
ein Flugzeug und eine Geige
das Tier aber gibt man uns nicht
das seine Hörner in das Schicksal stößt

Man gibt uns Matrosen aus Pappmaché
mit Stempel im Pass
deswegen ist unsere Dimension
weder das Leben noch das Sterben

Übersetzung: Andorinha




Queixa das almas jovens censuradas
(zum Hören und Sehen anklicken)

Dão-nos um lírio e um canivete
e uma alma para ir à escola
mais um letreiro que promete
raízes, hastes e coroa

Dão-nos um mapa imaginário
que tem a forma de uma cidade
mais um relógio e um calendário
onde não vem a nossa idade

Dão-nos a honra de manequim
para dar corda à nossa ausência.
Dão-nos um prémio de ser assim
sem pecado e sem inocência

Dão-nos um barco e um chapéu
para tirarmos o retrato
Dão-nos bilhetes para o céu
levado à cena num teatro

Penteiam-nos os crânios ermo
com as cabeleiras das avós
para jamais nos parecermos
connosco quando estamos sós

Dão-nos um bolo que é a história
da nossa historia sem enredo
e não nos soa na memória
outra palavra que o medo

Temos fantasmas tão educados
que adormecemos no seu ombro
somos vazios despovoados
de personagens de assombro

Dão-nos a capa do evangelho
e um pacote de tabaco
dão-nos um pente e um espelho
pra pentearmos um macaco

Dão-nos um cravo preso à cabeça
e uma cabeça presa à cintura
para que o corpo não pareça
a forma da alma que o procura

Dão-nos um esquife feito de ferro
com embutidos de diamante
para organizar já o enterro
do nosso corpo mais adiante

Dão-nos um nome e um jornal
um avião e um violino
mas não nos dão o animal
que espeta os cornos no destino

Dão-nos marujos de papelão
com carimbo no passaporte
por isso a nossa dimensão
não é a vida, nem é a morte