Samstag, 15. September 2012

Meine alentejanische Heimat


Urbanao Tavares Rodrigues 

 

Oh mein persönlicher Abgrund, oh krumme Steineiche, Erde, die zerbröckelt unter dem Druck dieser Schuhe aus Gamsleder, die die Brombeersträucher zerreißen werden.

Felsen, wilde Ölbäume, arabische Mühlen von Ferne, mein lehmiger Guadiana.
Weshalb ich wohl Lust zum Weinen bekomme? Nur hier an diesem Ort, wo ich als Junge so oft hin- und hergerannt bin durch Kuhlen galoppierend und schreiend bei den Eichen und den Korbweiden, wo ich darüber nachgedacht habe, wie ich mit zerrissenen Hosen nach Hause zurückkehren sollte, ohne auf den Zorn des väterlichen Gürtels zu treffen. Nur hier schnürt es mir die Kehle zu.
Was berührt mich? Die Flucht der Zeit? Sehnsucht nach einer Unschuld, an die geschmiedet ich mich befinde? Aber wenn doch dieses Gefühl so aufrichtig ist?

Hier habe ich die Schönheit des alentejanischen Baums entdeckt, hier im Zwischenraum  nach der Mittagsruhe und den Kopfsprüngen in den Fluss erwachte ich als Poet  zum ersten Mal meine Worte singend.
Hier lernte ich Brüderlichkeit, und hier pulsiert sie wahrhaftiger in mir selbst inmitten dieser Enterbten, die nicht um mich wissen.

Schlecht geparkt am Straßenrand strahlt der Fiat im Feuer. Es ist der Höhepunkt des Nachmittags.
Erneut halte ich an. Glocken der Lämmer da draußen über der Schlucht, Guadiana da drüben in der Wüste erinnerungsträchtiger, reliquienhafter Klänge.

Übersetzung: Andorinha


Carlém - Momentos hoje










Montag, 9. Juli 2012

Sophia de Mello Breyner Andresen

Poema


„A minha vida é o mar o Abril a rua

O meu interior é uma atenção voltada para fora

O meu viver escuta

A frase que de coisa em coisa silabada

Grava no espaço e no tempo a sua escrita




Não trago Deus em mim mas no mundo o procuro

Sabendo que o real o mostrará

Não tenho explicações

Olho e confronto

E por método é nu meu pensamento



A terra o sol o vento o mar

São a minha biografia e são meu rosto

Por isso não me peçam cartão

de identidade

Pois nenhum outro senão o mundo tenho

Não me peçam opiniões nem entrevistas

Não me perguntem datas nem moradas





De tudo quanto vejo me acrescento

E a hora da minha morte aflora lentamente

Cada dia preparada“














Mein Dasein ist das Meer der April die Straße

Mein Inneres ist eine nach außen gerichtete Aufmerksamkeit

Mein Leben ein Horchen

Der Satz von Augenblick zu Augenblick getrennt in Silben

Drückt dem Raum und der Zeit seine Handschrift auf


Ich trage Gott nicht in mir aber suche ihn in der Welt

Wissend dass ihn die Realität zum Vorschein bringen wird

Ich habe keine Erklärungen

Schaue und konfrontiere

Aus Methode ist mein Denken nackt



Die Erde die Sonne der Wind das Meer

Sie sind meine Biographie und mein Gesicht

Deshalb verlangt keinen Ausweis von mir

Denn ich habe keinen außer der Welt

Bittet mich weder um Meinungen noch um Interviews

Fragt mich nicht nach Daten noch nach Adressen



In allem was ich sehe fügt sich mir etwas hinzu

und täglich vorbereitet erblüht langsam

die Stunde meines Todes

Übersetzung: Andorinha


Freitag, 20. April 2012

Milho Verde

Grüner Mais, grüner Mais
Hei Mais, grüner Mais
Hei grüner Mais - Kolben
Umwarb eine Maid
Im Schatten grünen Mais'
Hei im Schatten des Mais

Grüner Mais, grüner Mais
Hei Mais, grüner Mais
Hei grüner Mais - junger
Begehrt' einen Jüngling
Im Schatten grünen Mais'
Hei im Schatten des Mais

Grüner Mais, grüner Mais
Hei Mais, grüner Mais
Hei grüner Mais – Breitblatt
Hat's mit 'ner Verheirateten
Im Schatten grünen Mais'
Hei im Schatten des Mais

Grüner Mais, grüner Mais
Hei Mais, grüner Mais
Hei pflücket gut meinen Mais
Und schaut nicht auf den Weg
Hei schaut nicht auf den Weg
denn das Schmausen kommt gleich


Übersetzung: Andorinha


Carlém


Milho verde, milho verde
Ai milho verde, milho verde
Ai milho verde maçaroca
À sombra do milho verde
Ai à sombra do milho verde
Namorei uma cachopa

Milho verde, milho verde

Ai milho verde, milho verde
Ai milho verde miudinho
À sombra do milho verde
Ai à sombra do milho verde
Namorei um rapazinho

Milho verde, milho verde

Ai milho verde, milho verde
Ai milho verde folha larga
À sombra do milho verde
Ai à sombra do milho verde
Namorei uma casada

Milho verde, milho verde

Ai milho verde, milho verde
Ai mondai o meu milho bem
Não olheis para o caminho
Ai não olheis para o caminho
Que a merenda já lá vem.


A festa de 25 de Abril 2011 em Berlim

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