Ao 25 de Abril

2012 

Zeca Afonso

Grüner Mais, grüner Mais
Hei Mais, grüner Mais
Hei grüner Mais - Kolben
Umwarb eine Maid
Im Schatten grünen Mais'
Hei im Schatten des Mais

Grüner Mais, grüner Mais
Hei Mais, grüner Mais
Hei grüner Mais - junger
Begehrt' einen Jüngling
Im Schatten grünen Mais'
Hei im Schatten des Mais

Grüner Mais, grüner Mais
Hei Mais, grüner Mais
Hei grüner Mais – Breitblatt
Hat's mit 'ner Verheirateten
Im Schatten grünen Mais'
Hei im Schatten des Mais

Grüner Mais, grüner Mais
Hei Mais, grüner Mais
Hei pflücket gut meinen Mais
Und schaut nicht auf den Weg
Hei schaut nicht auf den Weg
denn das Schmausen kommt gleich


Übersetzung: Andorinha


Carlém


Milho verde, milho verde
Ai milho verde, milho verde
Ai milho verde maçaroca
À sombra do milho verde
Ai à sombra do milho verde
Namorei uma cachopa

Milho verde, milho verde

Ai milho verde, milho verde
Ai milho verde miudinho
À sombra do milho verde
Ai à sombra do milho verde
Namorei um rapazinho

Milho verde, milho verde

Ai milho verde, milho verde
Ai milho verde folha larga
À sombra do milho verde
Ai à sombra do milho verde
Namorei uma casada

Milho verde, milho verde

Ai milho verde, milho verde
Ai mondai o meu milho bem
Não olheis para o caminho
Ai não olheis para o caminho
Que a merenda já lá vem.


A festa de 25 de Abril 2011 em Berlim

 

 

 

2011

                                                      Man gibt uns eine Lilie und ein Taschenmesser
          und eine Seele um zur Schule zu gehen
dazu ein Schild mit Aussicht auf Wurzeln Äste und Blattwerk


Man gibt uns eine imaginäre Landkarte
in Gestalt einer Stadt
auch eine Uhr und einen Kalender
worin unser Alter nicht steht

Man gibt uns Schaufensterpuppen
Ehrungen um unsere Abwesenheit aufzuziehen
Man gibt uns einen Preis weil wir so sind
ohne Makel und ohne Unschuld


Man gibt uns ein Schiff und einen Hut
um eine Photografie von uns zu machenMan gibt uns Eintrittskarten für den Himmel
aufgeführt in einem Theater

Mit den Perücken der Großeltern
frisiert man uns die kahlen Schäde
 so wir niemals uns selbst
    ähneln wenn wir alleine sind



Man gibt uns einen Kuchen der die Geschichte
unserer Geschichte ohne Handlung ist
und uns klingt im Gedächtnis
kein anderes Wort als Angst

Wir haben so wohlerzogene Phantasmen
dass wir an ihrer Schulter schlummern

leeres Schlafen entvölkert
von Gestalten des Erstaunens

Man gibt uns den Umschlag des Evangeliums
und ein Päckchen Zigaretten
einen Kamm gibt man uns und einen Spiegel
um einen Affen zu kämmen


Man gibt uns einen im Verstand festgerammten Nagel

und einen an der Taille befestigten Kopf
damit der Körper nicht aussehe
wie die Gestalt der Seele die ihn sucht
Man gibt uns einen eisernen Sarg
eingelegt mit Diamanten
um die Beerdigung zu organisieren
unseres Körpers gleich da vorn
Man gibt uns einen Namen und eine Zeitung
ein Flugzeug und eine Geige
das Tier aber gibt man uns nicht
das seine Hörner in das Schicksal stößt
Man gibt uns Matrosen aus Pappmaché
mit Stempel im Pass
deswegen ist unsere Dimension
weder das Leben noch das Sterben

Übersetzung: Andorinha




Queixa das almas jovens censuradas
(zum Hören und Sehen anklicken)

Dão-nos um lírio e um canivete
e uma alma para ir à escola
mais um letreiro que promete
raízes, hastes e coroa

Dão-nos um mapa imaginário
que tem a forma de uma cidade
mais um relógio e um calendário
onde não vem a nossa idade

Dão-nos a honra de manequim
para dar corda à nossa ausência.
Dão-nos um prémio de ser assim
sem pecado e sem inocência

Dão-nos um barco e um chapéu
para tirarmos o retrato
Dão-nos bilhetes para o céu
levado à cena num teatro

Penteiam-nos os crânios ermo
com as cabeleiras das avós
para jamais nos parecermos
connosco quando estamos sós

Dão-nos um bolo que é a história
da nossa historia sem enredo
e não nos soa na memória
outra palavra que o medo

Temos fantasmas tão educados
que adormecemos no seu ombro
somos vazios despovoados
de personagens de assombro

Dão-nos a capa do evangelho
e um pacote de tabaco
dão-nos um pente e um espelho
pra pentearmos um macaco

Dão-nos um cravo preso à cabeça
e uma cabeça presa à cintura
para que o corpo não pareça
a forma da alma que o procura

Dão-nos um esquife feito de ferro
com embutidos de diamante
para organizar já o enterro
do nosso corpo mais adiante

Dão-nos um nome e um jornal
um avião e um violino
mas não nos dão o animal
que espeta os cornos no destino

Dão-nos marujos de papelão
com carimbo no passaporte
por isso a nossa dimensão
não é a vida, nem é a morte




2010

 O Tesouro(Link zum Original)


Vor vielen Jahren, zurzeit als dein Vater zur Schule ging, lebte in einem sehr fernen Land ein Volk unglücklich und einsam, gebeugt unter der Last einer mysteriösen Traurigkeit.
Der Himmel war hoch und blau, die Felder fruchtbar, das Meer und die Flüsse waren voller Fische und Leben, die Städte warm und hell, aber die Menschen, die vorüberkamen, blickten sich mit traurigen Augen an, schnell laufend und zwischen den Häusern entschwindend; und wenn sie einander in den Cafés, in Ämtern, auf der Straße trafen, sprachen sie flach, so als ob etwas, ein schreckliches Geheimnis sie ängstigen würde.

Wer aus anderen Ländern in das 'Land der traurigen Leute' kam, verstand es nicht. Die Menschen waren gut und liebevoll und hatten augenscheinlich nur Motive, um glücklich zu sein.
Aber wenn man ihnen Fragen stellte, entfernten sie sich und antworteten nicht, oder sie wechselten behutsam um Entschuldigung bittend das Thema.

Manchmal jedoch blieben die Besucher länger und schlossen schnell Freundschaften, weil es sehr leicht war, in diesem Land Freunde zu bekommen. Diese Freunde nahmen sie dann mit in ihre Häuser, und nachdem sie ihre Türen gut verriegelt und alle Fenster geschlossen hatten, enthüllten sie das Geheimnis ihrer Traurigkeit.
So erzählten sie, dass das Volk dieses Landes einst einen mächtigen und schönen Schatz besessen hatte, der ihm gestohlen wurde und dass es ein großer und wertvoller Schatz war, ohne den man nicht leben kann.
"Einen Schatz?", fragten die Besucher befremdet. "Ja einen Schatz...die Freiheit." "Die Freiheit? Ein Schatz?"
Die Besucher wollten es nicht glauben, da in ihren Ländern die Freiheit eine allgemeine Sache war - fast ohne Bedeutung. Allen Leuten stand es frei, zu machen, was sie wollen, so lange sie keinem etwas Schreckliches taten. Und das war so normal, dass die Menschen die Freiheit nicht bemerkten. Sie waren frei auf dieselbe Weise wie sie atmeten, und niemand stellte in Rechnung, dass sie atmeten. Sie atmeten und fertig.
"Ja, die Freiheit ist wie die Luft, die wir atmen", sagten ihnen ihre Freunde traurig. "Nur wenn sie uns fehlt, ersticken wir voller Verzweiflung und wir entdeckten, dass wir ohne die Freiheit nicht leben können."

"Wie kann irgendjemand ohne die Freiheit leben? Wie ist das möglich?"




Also erklärten sie es ihnen: Dort in diesem Land können die Menschen weder sagen, was sie wollen, was sie denken oder fühlen noch können sie weggehen und andere Länder besuchen, andere Völker kennenlernen; sie leben also eingeschlossen in ihrem Land, als wäre es ein Gefängnis. Nicht einmal verraten könnten
sie jemandem dieses Geheimnis, weil sie gefangen oder sogar getötet werden könnten.

"Das muss wohl ein großes Unglück sein.", sagten die Besucher. "Es ist nicht verwunderlich, dass ihr immer so traurig seid."

Nachdem sie erneut die Türen kontrolliert hatten, um zu sehen, ob jemand draußen sei, der sie bespitzelte, verrieten ihre Freunde ihnen, wie das Leben jeden Tag im 'Land der traurigen Leute' war.
Es gab Polizisten für alle Bereiche. Keine guten Polizisten, die den Verkehr regeln und Diebe festnehmen, sondern Polizisten, um ihnen nachzuspionieren, um zu verhindern, dass sie miteinander reden, Polizisten an den Grenzen, um sie nicht rausgehen zu lassen, sogar Polizisten , die ihre Briefe öffnen und ihre Gespräche abhören, um aufzuspüren, was sie gesagt und gedacht haben, und sie verfolgen und verprügeln, wenn sie weder sagen noch denken, was man will, das sie sagen oder denken sollen.
Die Jugendlichen des 'Landes der traurigen Leute' durften weder Musik hören und Filme sehen, noch Bücher und Zeitungen lesen, die ihnen gefielen, sondern nur die Musik, die Filme und Bücher, die ihnen nicht verboten wurden. Nicht einmal Coca Cola konnten sie trinken, weil Coca Cola, (niemand weiß warum), auch verboten war. Die Jungen und Mädchen durften sich weder unterhalten noch gegenseitig einladen, mussten in separate Schulen gehen und getrennt durch Mauern und Gitter spielen.
Die Mädchen durften keine Hosen anziehen. Ihnen war es auch verboten, ohne Strümpfe zu laufen. Und die Jungen, wenn sie heranwuchsen, wurden in schreckliche Kriege in weit entfernten Ländern befehligt und gezwungen, fremde Völker abzuschlachten, die ihnen nie etwas Schlechtes angetan hatten; und viele von ihnen starben dort oder kehrten irrsinnig und verküppelt zurück.


"Aber warum habt ihr nicht in der Regierung abgestimmt, dass all diese Dinge beendet werden und dass man euch eure Freiheit, euren Schatz zurückgibt?", wunderten sich die Besucher. "Weil wir auch nicht wählen dürfen!" Es war erschreckend. "Ihr dürft nicht wählen? Also, wie habt ihr eure Regierenden ausgesucht?" "Aber wir haben unsere Regierenden gar nicht ausgesucht..." "Nun, wer hat sie gewählt?" "Niemand weiß es..."

Wer diese Dinge, die sehr besorgt machten, hörte, dessen Herz füllte sich jäh mit Trauer und Hoffnungslosigkeit. Die Sonne schien ihm schon nicht mehr so warm, der Himmel nicht mehr so durchsichtig und blau; und als er auf die Straße zurückkehrte, sah er sich ängstlich um, daran denkend, dass er überwacht und verfolgt werden könnte, befürchtend, dass jemand seine Gedanken lesen und aus dem Schatten heraustreten könnte, um ihn dafür zu bestrafen.
Nach der Rückkehr in sein Land verstand er wohl, was für ein kostbarer Schatz seine Freiheit schließlich war und wenn er es verließ, behandelte er sie wie eine Kostbarkeit von der sein Glück und sein eigenes Leben abhingen, sich viele Male an seine Freunde erinnernd, die allein und unglücklich im 'Land der traurigen Leute' zurückgeblieben waren.

Bis es eines Tages im 'Land der traurigen Leute' dazu kam, dass sich die Menschen entschlossen, ihren Schatz zurückzuerobern. Die Soldaten sammelten sich in ihren Kasernen und nahmen ihre Waffen, um am Ende den Schatz den Händen der Diebe zu entreißen. Alle Menschen gingen in freudiger Erregung auf die Straße und begleiteten die Soldaten singend und rufend: "Es lebe die Freiheit! Es lebe die Freiheit!"
Die Jungen kamen aus dem Krieg, glücklich, wieder von Freunden umgeben zu sein und schlossen ihre Eltern und Geschwister in die Arme. Die Jungen und Mädchen konnten sich zum ersten Mal die Hände reichen und sich betrachten, Seite an Seite einherschreiten ohne Angst vor Anklagen und Strafen. Das ganze Land drehte sich lärmend und überschwänglich in einem großen Fest, die Menschen ließen allen Worten und allen Gefühlen freien Lauf, die sich so lange während der unglücklichen Jahre angesammelt hatten.

Es war der 25. April. Und weil an diesem Tag jenes Volk den Schatz der Freiheit zurückerlangte, heißt dieser Tag für immer
Tag der Freiheit.

Das alles geschah vor langer Zeit, (du warst noch nicht geboren), in einem weit entfernten Land.

Dieses Land heißt jetzt nicht mehr 'Land der traurigen Leute'. Es heißt Portugal und ist Dein Land. Der Schatz gehört jetzt Dir und Du bist es, der für ihn Sorge tragen muss, tief in Deinem Herzen behüten, damit ihn niemand wieder stielt.

Deshalb ist diese keine erfundene Geschichte. Es ist eine wahre Geschichte, die wirklich stattgefunden hat.

Frage Deine Eltern oder Lehrer und sie werden Dir mehr Dinge über das 'Land der traurigen Leute' erzählen und über die Freiheit.

M. António Pina
 


Übersetzung: Andorinha




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